Sprechen über Depression

 

Zitat

Depression

Symptome einer Depression

Depression ist eine Erkrankung, die die Gefühlsseite des Seelenlebens betrifft und sich individuell in sehr unterschiedlicher Weise äußern kann.

Bei einer Depression kommen immer mehrere Krankheitsmerkmale zusammen, man spricht i. d. R. von einem depressiven Syndrom.

Die häufigsten Merkmale einer Depression sind:

  • Antriebslosigkeit
  • Innere Unruhe und Schlafstörungen
  • Fehlende Lebensfreude
  • Innere Leere und Traurigkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schwindendes Interesse
  • Konzentrationsschwäche
  • Unentschlossenheit
  • Schuldgefühle, Selbstanklagen
  • Gestörte Farbwahrnehmung (alles ist grau)
  • Gedanken an Selbstmord
  • Körperliche Beschwerden und Mißbefinden

Alle Symptome können sich allmählich (über Wochen und Monate) oder sehr rasch (in Tagen oder Stunden) entwickeln. Bisweilen geschieht die Veränderung sogar schlagartig.

Viele depressive Patienten konzentrieren sich auf ihre körperlichen Symptome und vermuten in ihren Beschwerden eine organische Ursache. Häufig halten sich Depressive auch nicht für krank, was sie tatsächlich sind, sondern für Versager.

Formen der Depression

Es gibt nicht eine typische Form der Depression, sondern viele verschiedene Symptome, die in den unterschiedlichsten Kombinationen vorhanden sein können. In der Regel unterscheidet man verschiedene Depressionsformen nach Schweregrad und Anzahl der Symptome:

  • Leichte Depressionen äußern sich durch einige nicht allzu stark ausgeprägte Symptome und sind gut und schnell zu bewältigen. Ohne Behandlung können sie sich jedoch leicht zu mittelschweren Depressionen entwickeln.
  • Mittelschwere Depressionen zeichnen sich durch ein breiteres Spektrum an Symptomen und Probleme bei der Bewältigung des Berufs- oder Privatlebens aus.
  • Schwere Depressionen sind eine ernsthafte Krankheit. Sie bereiten dem Betroffenen große Schwierigkeiten alltägliche Lebenssituationen zu meistern und werden häufig von Selbstmordgedanken begleitet. Schwere Depressionen müssen in der Regel von Fachärzten (Nervenarzt, Psychiater) oder in der Klinik behandelt werden.

Häufigkeit der Depression

Zur Epidemiologie:

  • Die Depression ist eine der häufigsten Erkrankungen des Gehirns.
  • Depressionen treten bei Menschen aller sozialen Schichten, Kulturen und Nationalitäten auf.
  • Auf der ganzen Welt sind rechnerisch derzeit 340 Mio. Fälle von Depression vorhanden.
  • Allein in Deutschland erkranken ca. 20 % aller Bundesbürger einmal in ihrem Leben an einer Depression.
  • Während ca. 25 % erwachsener Frauen an einer Depression erkranken, sind nur ca. 10 % aller erwachsenen Männer betroffen.
  • Nicht nur Erwachsene leiden an Depressionen: ca. 2 % Kinder unter 12 Jahren und 5 % Jungendliche unter 20 Jahren erkranken an Depressionen.
  • In den letzten Jahren ist eine Zunahme depressiver Erkrankungen zu beobachten, vor allem bei jüngeren Geburtsjahrgängen.
  • Etwa die Hälfte aller Depressionen wird erkannt, und davon bleibt die Hälfte unbehandelt.
  • 10 – 15 % aller Depressionspatienten begehen Selbstmord.

Ursachen der Depression

Es gibt viele mögliche Ursachen einer Depression:

  • Seelische Belastungen durch einschneidende seelische oder soziale Veränderungen im Privat- oder Berufsleben.
  • Erschöpfung durch Überarbeitung in Beruf oder Familie oder durch Streitigkeiten.
  • Zu geringe Auslastung z. B. durch Arbeitslosigkeit,
  • Ruhestand oder durch geistige oder körperliche Untätigkeit.
  • Körperliche Erkrankungen, wie z. B. Hirnerkrankungen,
  • Schlaganfall, schwere Herzkrankheiten oder hormonelle Umstellungen.
  • Veranlagung.

Verlauf der Depression

Dauer

Eine Depression kann zwischen Wochen und Monaten, in seltenen Fällen bis zu Jahren andauern. Eine Behandlung verkürzt und erleichtert den Ablauf jedoch wesentlich.

Rezidive

Eine Depression kann – muß aber nicht – sich später durchaus wiederholen. Rückfälle können durch die entsprechende Medikation mit Antidepressiva mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Werden neuerliche Symptome bereits im Frühstadium wieder behandelt, läßt sich die volle Ausprägung abfangen.

Verschiedene Ansätze

Die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva ist die anerkannteste Behandlungsform aller Arten mittelschwerer bis schwerer Depressionen unabhängig von der Ursache.

Ist eine Depression vor allem auf belastende Ereignisse oder unbewältigte Kindheitserlebnisse zurückzuführen, gibt es – je nach individuellen Gegebenheiten – die Möglichkeit von zusätzlichen psychotherapeutischen Gesprächen, von Soziotherapie oder Verhaltenstherapie.

Der Schwerpunkt der endogenen Depression, die meist schwerer ist und auf einer Stoffwechselstörung im Gehirn beruht, liegt in der medikamentösen Behandlung.

  • Antidepressiva sind wirksam (70 % der behandelten Patienten sprechen an) und verlieren mit zunehmender Therapiedauer nicht an Wirksamkeit.
  • Antidepressiva haben kein Suchtpotential und machen nicht abhängig.
  • Die Wirkung von Antidepressiva steht nicht allgemein proportional zur Dosis, es gibt aber gerade bei den älteren Antidepressiva zu erreichende Minimaldosierungen.
  • Antidepressiva wirken bei Depressionspatienten während sie sich bei Gesunden nicht auszuwirken scheinen
  • Der primäre pharmakologische Wirkmechanismus basiert auf einer Erhöhung von Neurotransmitterspiegeln (z.B. der Noradrenalin- und/oder Serotonin-Spiegel) im Hirn.
  • Moderne Antidepressiva-Entwicklungen, wie z.B. NaSSA (noradrenerg und spezifisch serotonerg wirksame Antidepressiva) und herkömmliche trizyklische Antidepressiva (TZA) steigern die Freisetzung von Noradrenalin und Serotonin. Dagegen beeinflussen die selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) lediglich die Ausschüttung von Serotonin.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen Antidepressiva liegen vor allem in ihrem Verträglichskeits- und Sicherheitsprofil. Allerdings sind vor allem bei schweren Depressionen Unterschiede im Wirksamkeitsgrad zwischen den einzelnen Antidepressiva-Gruppen zu vermerken.

Soziales Umfeld

Szenario:

Zu Beginn der Depression reagiert die Familie noch wohlwollend genervt. Nach den anfänglichen hilfsbereiten und mitfühlenden Fragen und Kommentaren ändert sich dann aber langsam der Ton und das Verständnis schwindet. Die Familie empfindet den Kranken mit seinen Sorgen und Ängsten – die den Angehörigen ja grundlos erscheinen – zunehmend als lästig. Sein Pessimismus erscheint unangebracht.

Er beginnt von der Sinnlosigkeit des Lebens zu sprechen oder äußert sogar Sehnsucht nach dem Tod. Vom Familienleben zieht er sich immer mehr zurück, verbringt die Tage im Bett und will überhaupt nicht mehr aufstehen. Alte Kontakte zu Freunden werden abgebrochen, er beginnt sich zu isolieren. Nach und nach macht sich bei den Angehörigen und den Freunden eine gereizte Hilflosigkeit breit, der Depressive erscheint als Belastung.

Eine Analyse:

Die Familie kann das Problem des Kranken nicht lösen. Eine Depression ist eine schwere Erkrankung, die nicht mit Wohlwollen oder Geduld, sondern mit der Therapie durch Fachleute behandelt werden muß. Oftmals verspürt die Familie eine Verpflichtung, sich den Problemen ihrer Mitglieder zu widmen. So wird die Familie in Mitleidenschaft gezogen. Beide Parteien suchen (vergeblich) nach den Ursachen und einer Lösung. Die Familie erwartet nach so viel zusätzlicher Nähe, Wärme, Geduld etc. eine rasche Besserung und baut Erwartungen auf, die der Depressive nicht erfüllen kann. Sein Elend wächst dadurch um so mehr, er fühlt sich unzulänglich.

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