Sprechen über Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke betreuen

 

Zitat

Langzeitarbeitslose sollen Demenzkranke betreuen

Heute fand ich in meiner Tageszeitung die oben genannte Schlagzeile und mich traf fast der Schlag.
Ich bin jetzt seit 28 Jahren als examinierte Pflegekraft tätig und was ich jetzt da lese schlägt jawohl dem Fass den Boden aus.
 
Ja es gibt den Pflegenotstand und ja es werden immer mehr Pflegebedürftige von immer weniger Pflegekräften betreut.
Ich muß das wissen, ich hab im letzten Monat  200 Stunden in der Pflege zugebracht und in diesem Monat sieht es nicht besser aus, ich bin jetzt schon bei 135 Stunden .
Aber es kann doch nicht sein, das die Arbeit; die bis jetzt von hochqualifiziertem Personal geleistet wurde,nun von angelernten Langzeitarbeitslosen geleistet werden soll.
Mein Berufsstand ist doch sowieso schon permanent in den Schlagzeilen, weil gerade die Demenzkranken  und Hochbetagten wiedermal unterversorgt und schlecht behandelt sind.
Wie weit wird man den Berufsstand noch degradieren????
Und wie weit wollen die Politiker die jetzt noch Pflegewilligen demotivieren.
In der Zeitung las ich von 15000 arbeitslosen Pflegern, statistisch gesehen.
Ja warum sind die denn arbeitslos???
Nicht weil es nicht genügend offene Stellen gebe.
Nein ich kenne mindestens 5 Einrichtungen, die händeringend qualifiziertes Personal suchen, aber zu bekommen sind maximal Pflegehelfer, die nicht selbstständig komplett und rund um versorgen können, weil es vom Gesetztgeber verboten bzw durch die Pflegekassen und die Krankenkassen nicht bezahlt wird.
Nein diese arbeitslosen Pflegekräfte sind zu einem hohen Prozentsatz Frauen mit Kindern, die potentiell schon mal schlecht zu vermitteln sind, das bringt die Schichtarbeit mit sich. Dann die Kollegen, die es einfach nicht mehr (er)tragen können und deren Gesundheit psychisch wie physisch so gelitten hat. das sie in diesem Beruf nicht mehr einsetztbar sind.
Und dann die Kollegen ,die eine Familie zu ernähren haben: Gerade in privaten Einrichtungen wird man so schlecht bezahlt das man davon keine Familie ernähren kann, man ist in Deutschland besser mit Harz IV dran als wenn man in der Pflege arbeitet, weil meist nur Teilzeitarbeit angeboten wird aus dem einfachen Grund um mehr Köpfe zu haben die Mehrarbeit leisten können – nicht Überstunden, die hat man erst wenn man die Arbeitszeit einer Vollzeitkraft überschreitet. Überstunden werden übrigens in den seltensten Fällen bezahlt, nein sie müssen "abgearbeitet" d. h. wenns geht abefeiert werden. Das sieht dann so aus, das man kurzfritsig mal ins Frei geschickt wird, also nichts Planbares, oder was erst recht gängige Praxis ist, wenn der Arbeitnehmer länger krank wird, werden gehäuft Freitage eingeplant um die Überstunden so abzubauen.
 
Also welche Motivation sollte ein Langzeitarbeitsloser haben morgens für schwierige, unleidliche Kranke aufzustehen, wenn er für das gleiche Geld auch liegen bleiben kann. Das hat bei den 1- Euro- Jobern schon nicht geklappt.
Die waren größtenteils völlig ungeeignet und unmotiviert, so daß viele Einrichtungen wieder davon abgekommen sind diese zu beschäftigen, zumal sie teilweise von der Agentur für Arbeit noch erpresst wurden, diesen Leuten eine Festanstellung zu geben ansonsten würden die 1-Euro-Stellen wieder gestrichen.
Ich denke die Politiker sollten sich endlich Gedanken machen, wie man diesen Berufsstand so attraktiv gestalten könnte das die Pflegebedürftigen optimal versorgt werden, es könnten immer auch die eigenen Eltern, Großeltern oder man selber sein ,die einem völlig unterbezahlten, unmotivierten Langzeitarbeitslosen in die Hände fallen, und dann kann man nur von Glück reden wenn man entweder möglichst schnell stirbt oder noch in der Lage ist seine Bedürfnisse lauthals auszudrücken und einzufordern.
Aber die Dementen haben keine Lobby…
Man erwartet von den Einrichtungen immer mehr Qualitätsmanagement das von immer weniger Personal mit noch weniger Fachwissen geleistet werden muß. Und  dann soll man noch völlig unqualifizierte Mitarbeiter anleiten ,einweisen und überwachen , das den Demenzkranken, die sich ja nun gar nicht wehren können und deren Pflege ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen und Fach- sowie Sozialkompetenz erfordern, nicht noch mehr Leid entsteht.
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