Ausgebrannt und ausgelaucht

In Pflegeberufen, speziell in der Altenpflege, wird den Pflegenden eine Menge abverlangt, aber man bekommt auch eine Menge zurück, wenn man dafür empfänglich ist. Ein kleines Lächeln im Gesicht eines dementen Bewohners, das einem anzeigt, daß man ihn erreicht hat und ihn für einen kleinen Moment aus seiner Welt in die  Unsrige zurückgeholt hat.
Das ist der Lohn, das gibt soviel, für diese Momente lohnt es sich, täglich wieder neu zu kämpfen.
 
Auf der anderen Seite leidet das Pflegepersonal vielfach unter dem Burn- Out- Syndrom, bedingt durch Personalmangel und einem enormen Zeitdruck. 
 Die Bewohner werden zwar sauber und satt in den Rollstuhl gepflegt, aber die psychische Betreuung kommt eindeutig zu kurz.
 In den Rollstuhl auch nur bei genügend anwesendem Personal, weil man den Bewohner schließlich auch wieder ausziehen und ins Bett legen muß. Da kommt es schon mal vor. daß ein Bewohner tagelang im Bett verbleibt, das Stationsleben an ihm vorüberzieht und er nur die Zimmerdecke anstarrt oder, wenn er "Glück" hat resigniert aus dem Fenster schauen kann. Die einzigen Lichtblicke sind da die Angehörigen, die dann und wann zu Besuch kommen. Komisch…..dann geht es plötzlich, das mobilisieren in den Rollstuhl. Was bleibt einem Bewohner schließlich übrig um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen, er klingelt, er ruft und "nervt "auf diese Weise die Pflegekräfte. Das führt dann schon mal zu Konflikten, dabei mit einwenig Zuwendung, mit ehrlicher Aufmerksamkeit und Wertschätzung könnten diese Probleme abgewendet oder mindestens abgeschwächt werden.
Gerade demente Bewohner brauchen viel Liebe und Aufmerksamkeit; sie würden dann weniger aggressiv auf die Pflegenden reagieren. Wichtig sind Ruhe und Gelassenheit und daß man dem Dementen seine Menschenwürde läßt. Sie merken genau, wer es aufrichtig mit ihnen meint.
Nur leider sind es nicht viele Pflegekräfte die dieses Potential haben und wenn, ist die notwendige Zeit im Pflegeablauf nicht vorhanden. Ein weiterer Punkt ist, wenn es wirklich jemand vom Personal wagt, eine Bewohnerin, die Depressionen hat und nur noch weint, eine Weile in den Arm zu nehmen und wie ein Kind hin und her zu wiegen und zu streicheln. Sie wird dann merkwürdig angeschaut, als "Exot" abgestempelt und vielleicht noch angefeindet. Wo soll das anfangen und wo wird es enden?
In der Pflege muß ein Umbruch stattfinden, ansonsten bleiben die Alten und Kranken auf der Strecke, weil ausgebranntes Personal, das obendrein noch schlecht bezahlt wird und zum Teil noch familienunfreundliche Arbeitszeiten hat, nicht die erforderliche Leistung erbringen kann.
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